Wenn die beste Milch von glücklichen Kühen kommt, so speist man am besten bei glücklichen Köchen: idealerweise im Zentrum, in kosmopolitischer Atmosphäre, mit entspannter Bedienung, dort, wo sich der Chef persönlich ab und zu den Gästen zeigt und ihnen zulächelt. MDZ-Autorin Valentina Nikiforova hat das „Café Ragout“ besucht, das zurzeit wohl die beste Adresse der Stadt für Feinschmecker ist.

Die richtige Ortswahl ist bekanntermaßen der halbe Erfolg. Das „Ragout“ befindet sich fünf Minuten hurtigen und hungrigen Fußmarsches vom Weißrussischen Bahnhof entfernt und ist sehr gut erreichbar. Der Name kommt von französischen ragoûter, was so viel bedeutet wie „den Gaumen reizen, Appetit machen“. Und das passiert schon beim Eintreten: Der Raum ist hell, die verglaste Wand macht ihn klar und überschaubar, als würde man draußen auf einer Terrasse sitzen. Die Tische sind in Reihen gestellt, die Beleuchtung unterstreicht die Reihen und weist eine Ordnung wie in einem Flugzeug an. Doch die Atmosphäre ist alles andere als streng: Viel Licht und das helle Holz der Tische, das Lächeln der Bedienung und ihre Aufmerksamkeit, die dahin plätschernden Gespräche der Gäste und ein Strauß wilder Blumen auf der Bar machen sie warm und gemütlich.
Rechtzeitig reservieren kann hier nicht schaden: Die Nachfrage nach dem Mittagessen geht fließend in das Gerangel um das Dinner am Abend über. Ständig kommen neue Gäste und so müssen die spontanen unter ihnen erst einmal an der Bar auf ihren Platz warten. Das Publikum ist gemischt: Mittzwanziger und Familienoberhäupte, Deutsche und Russen, Geschäftsleute und Kreative — wie in London, verkündet stolz die russischsprachige Seite des Cafés. Sehr beliebt ist das „Sunday Roast“, das Sonntagsangebot zum Mitmachen, das einer der Chef-Köche, Ilja Schalew, aus England mitgebracht hat. Zu den anderen Extras des Lokals zählen der Club der Liebhaber des Cafés und das Kinderprogramm am Wochenende. Kinder sind hier immer willkommen, denn der zweite Koch — der Journalist und TV-Moderator Alexej Zimin — hat selbst zwei kleine Racker.

Die beiden Köche haben die Londoner „Le Cordon Blue“ absolviert, eine Art Harvard in der Kochkunst, die Welt bereist und in namhaften Restaurants von Paris bis Tel-Aviv das Essen zubereitet. Und doch unterscheidet sich das „Ragout“ von vielen anderen Moskauer Restaurants und Cafés, die mit ausländischen Köchen, gediegenem Ambiente und raffinierten Rezepten locken. Die Inhaber des „Ragout“ benutzen frische Lebensmittel aus der Region — eine hoch anzurechnende Leistung in einem Land, in dem Bio-Produkte am liebsten per Flugzeug eingeflogen werden — man weiß ja nie! Das ermöglicht die Kooperation mit der „Lawka“. Dieser Online-Lebensmittelladen liefert saisonale Nahrungsmittel von ausgewählten Bauernhöfen an Haushalte in die Moskauer Region; sie können auch gleich im Café bestellt werden. Die Qualität der Produkte ist zu schmecken: Suppe aus roter Rübe mit Ziegenkäse und Linienkernen (250 Rubel) oder Schweine- und Lammfleischburger mit Salat (400 Rubel) stärken für den restlichen Tag, und die Ricottatarte mit Basilikum-Sorbet (300 Rubel) ist ein Geschmacksabenteuer: Die Milde der Riccota schmeckt man unzweifelhaft heraus und das grüne Sorbet ist wie ein Spritzer Tausender Basilikumstraße. Die Getränkekarte ist fair und bietet eine gute Weinauswahl, etwa einen Riesling aus Moser (1.500 Rubel die Flasche), außerdem finden sich verschiedene Sorten Bier (200-280 Rubel) und englischer Apfelwein (200-280 Rubel) auf der Karte. Wein darf auch mitgebracht werden: Für jede mitgebrachte Flasche werden 500 Rubel verrechnet.
Die Inhaber des Cafés haben ein ausgewogenes Rezept für ein gutes „Ragout“ gefunden: Man nehme französisches Know-how, gieße englisches Bier dazu und streue darüber eine Prise russische Seele. Guten Appetit!
Cafe Ragout
Ul. B. Gruzinskaya 69
M. Belosrusskaya
www.caferagout.ru
Tel.: (495) 662 6458
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen