Posts mit dem Label Neueröffnungen 2010 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Neueröffnungen 2010 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

14.11.2010

Gaumenreize mit Augenweide

Das „Café Ragout“ besticht durch die Mischung aus allem, was Appetit macht

Wenn die beste Milch von glücklichen Kühen kommt, so speist man am besten bei glücklichen Köchen: idealerweise im Zentrum, in kosmopolitischer Atmosphäre, mit entspannter Bedienung, dort, wo sich der Chef persönlich ab und zu den Gästen zeigt und ihnen zulächelt. MDZ-Autorin Valentina Nikiforova hat das „Café Ragout“ besucht, das zurzeit wohl die beste Adresse der Stadt für Feinschmecker ist.



Die richtige Ortswahl ist bekanntermaßen der halbe Erfolg. Das „Ragout“ befindet sich fünf Minuten hurtigen und hungrigen Fußmarsches vom Weißrussischen Bahnhof entfernt und ist sehr gut erreichbar. Der Name kommt von französischen ragoûter, was so viel bedeutet wie „den Gaumen reizen, Appetit machen“. Und das passiert schon beim Eintreten: Der Raum ist hell, die verglaste Wand macht ihn klar und überschaubar, als würde man draußen auf einer Terrasse sitzen. Die Tische sind in Reihen gestellt, die Beleuchtung unterstreicht die Reihen und weist eine Ordnung wie in einem Flugzeug an. Doch die Atmosphäre ist alles andere als streng: Viel Licht und das helle Holz der Tische, das Lächeln der Bedienung und ihre Aufmerksamkeit, die dahin plätschernden Gespräche der Gäste und ein Strauß wilder Blumen auf der Bar machen sie warm und gemütlich.

Rechtzeitig reservieren kann hier nicht schaden: Die Nachfrage nach dem Mittagessen geht fließend in das Gerangel um das Dinner am Abend über. Ständig kommen neue Gäste und so müssen die spontanen unter ihnen erst einmal an der Bar auf ihren Platz warten. Das Publikum ist gemischt: Mittzwanziger und Familienoberhäupte, Deutsche und Russen, Geschäftsleute und Kreative — wie in London, verkündet stolz die russischsprachige Seite des Cafés. Sehr beliebt ist das „Sunday Roast“, das Sonntagsangebot zum Mitmachen, das einer der Chef-Köche, Ilja Schalew, aus England mitgebracht hat. Zu den anderen Extras des Lokals zählen der Club der Liebhaber des Cafés und das Kinderprogramm am Wochenende. Kinder sind hier immer willkommen, denn der zweite Koch — der Journalist und TV-Moderator Alexej Zimin — hat selbst zwei kleine Racker.



Die beiden Köche haben die Londoner „Le Cordon Blue“ absolviert, eine Art Harvard in der Kochkunst, die Welt bereist und in namhaften Restaurants von Paris bis Tel-Aviv das Essen zubereitet. Und doch unterscheidet sich das „Ragout“ von vielen anderen Moskauer Restaurants und Cafés, die mit ausländischen Köchen, gediegenem Ambiente und raffinierten Rezepten locken. Die Inhaber des „Ragout“ benutzen frische Lebensmittel aus der Region — eine hoch anzurechnende Leistung in einem Land, in dem Bio-Produkte am liebsten per Flugzeug eingeflogen werden — man weiß ja nie! Das ermöglicht die Kooperation mit der „Lawka“. Dieser Online-Lebensmittelladen liefert saisonale Nahrungsmittel von ausgewählten Bauernhöfen an Haushalte in die Moskauer Region; sie können auch gleich im Café bestellt werden. Die Qualität der Produkte ist zu schmecken: Suppe aus roter Rübe mit Ziegenkäse und Linienkernen (250 Rubel) oder Schweine- und Lammfleischburger mit Salat (400 Rubel) stärken für den restlichen Tag, und die Ricottatarte mit Basilikum-Sorbet (300 Rubel) ist ein Geschmacksabenteuer: Die Milde der Riccota schmeckt man unzweifelhaft heraus und das grüne Sorbet ist wie ein Spritzer Tausender Basilikumstraße. Die Getränkekarte ist fair und bietet eine gute Weinauswahl, etwa einen Riesling aus Moser (1.500 Rubel die Flasche), außerdem finden sich verschiedene Sorten Bier (200-280 Rubel) und englischer Apfelwein (200-280 Rubel) auf der Karte. Wein darf auch mitgebracht werden: Für jede mitgebrachte Flasche werden 500 Rubel verrechnet.

Die Inhaber des Cafés haben ein ausgewogenes Rezept für ein gutes „Ragout“ gefunden: Man nehme französisches Know-how, gieße englisches Bier dazu und streue darüber eine Prise russische Seele. Guten Appetit!

Cafe Ragout
Ul. B. Gruzinskaya 69
M. Belosrusskaya
www.caferagout.ru
Tel.: (495) 662 6458

17.04.2010

Kulinarische Nanna-Technologien

Das georgische Café „Hatschapuri“ lockt mit preiswertem und gutem Essen.

Seit Ende Februar ist die Einkaufsmeile der Twerskaja um ein Café reicher: Das „Hatschapuri“ bietet Gerichte aus verschiedenen Regionen Georgiens an. Eine weitere Spezialität des Cafés ist der wöchentliche Maspindzelo-Abend. MDZ-Autorin Valentina Nikiforowa probierte einige Köstlichkeiten und erkundigte sich, was sich hinter dem geheimnisvollen Namen des Cafés verbirgt.

Die aktuelle politische Lage zwischen Russland und Georgien betrifft die gelebte Völkerverständigung der beiden Nachbarlän-der herzlich wenig. Für Russen ist Georgien nach wie vor ein Kindheitstraum von Sonnenhitze, Meereskühle, Barfußlaufen, bunten Farben, frischen Früchten, die Heimat stolzer und schöner Menschen mit markanten Namen: Zurabi, Otari, Nanna.
Auch kulinarisch hat sich das Land einen Namen gemacht. Georgisches Essen ist deftig und würzig, aber gleichzeitig einfach
zuzubereiten. Ausländische Küche hat bisher kaum Einfluss in die georgische Esskultur gefunden. Nüsse, Käse, Früchte, Kräuter, Honig, Gemüse und Lammfleisch bilden bis heute ihre Grundlage.


„Hatschapuri“ hat anstelle des „Home Made Café“ aufgemacht. Die ehemalige Inhaberin zog nach Amerika und bot die Räumlichkeiten kurzerhand einer Freundin an. Das Interieur war leicht zu verändern: Der Plasmabildschirm wich einer an die Wand gezeichneten Landkarte Georgiens. In Vasen stehen frische Kräuter statt Blumen, an den Wänden sind alte Fotos georgischer Familien in Schwarz-Weiß zu sehen. Die Küche führt Dmitrij, der als einziger Russe neben vier georgischen Frauen für die Köstlichkeiten sorgt. Hatschapuri ist ein klassisches
georgisches Teiggericht. Georgier lieben es, bei fast jeder Feier wird es serviert. Jede Region hat dabei ihre eigene Variante:
Hatschapuri mit Fleisch (300 Rubel), mit Kräutern (210 Rubel), mit Käse (190-330 Rubel) oder mit Ei (240-320 Rubel). Weitere
Klassiker aus dem Menü sind das Tschachochbili-Ragout aus Hühnchen (350 Rubel), Schaschlyk vom Schwein (390 Rubel), Kebab aus Lammfleisch (390 Rubel), Gemüseschaschlyk (200 Rubel), traditionelle Soßen (40-60 Rubel), Matsoni (Joghurt mit Minze) und Tkemali (Kirschpflaume mit Kräutern). Als Desserts locken: Käseplatte (350 Rubel), Pachlawa (80 Rubel) oder Granatapfel-Sorbet (80 Rubel).


Das Café bietet nicht nur eine abwechslungsreiche Speisekarte, sondern auch jede Woche
mit dem Maspindzelo-Abend eine kulinarische Attraktion an. Maspindzelo heißt auf Georgisch Gastgeber. Jeden Donnerstag
werden im ersten Stock mehrere kleine Tische zu einem großen zusammengerückt. 20 Gäste essen und trinken dann den
ganzen Abend zum Festbetrag von 1000 bis 3000 Rubel je nach Menü. Dies kann sich von Woche zu Woche anders gestalten, denn Maspindzelo kann nicht nur ein Tischmeister, sondern auch ein Gastkoch sein. So bereitet am 8. April beispielsweise die bekannte georgische Koch-Bloggerin und Autorin Tinatin Mzschawanadze ein Überraschungsmenü vor. Die Aufgabe des Tischmeisters ist es dabei, die Gäste bei Laune zu halten. Etwa mit einem Trinkspruch: „Ein König ruft seine Männer zusammen und veranstaltet einen Schießwettbewerb. Wer von ihnen einen Apfel trifft, wird dessen Tochter heiraten, wer vorbeischießt, wird aufgehängt. Der erste Schütze verfehlt das Ziel und kommt ins Gefängnis. Der zweite ebenfalls. Der dritte trifft
den Apfel genau, doch er wird ebenfalls ins Gefängnis verbracht. Warum? Um den anderen Gesellschaft zu leisten (Sa kompaniju!), antwortet der König.“

Hatschapuri
Bolschoj Gnesdikowskij Pereulok 10
M. Puschkinskaja/ Twerskaja
www.hacha.ru
Tel.: (495) 629 6656